Lagerbericht Hochtourenlager Bächlital/Gauli (2020)

Auf dem Weg von Winterthur bis zum Grimselpass sammelten wir nach und nach alle Teilnehmenden und das Leitungsteam ein. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde machten wir uns an den Aufstieg zur Bächlitalhütte. Der Weg führte am Grimselsee vorbei, der bei strahlend blauem Himmel und heissem Sommerwetter zum Baden einlud. Wir liessen uns aber (dieses Mal) nicht vom Ziel abbringen und folgten weiter den Markierungen. Beim Bächlisboden, einer Schwemmebene kurz vor der Hütte, gab es einen kurzen Input zweier Geografinnen, die uns anschaulich erklärten, wie sich dieses Gelände  verändert hat und noch weiter verändert.

Nach dem Mittagessen frischten wir im nahen Klettergarten unsere Sicherungstechnik auf und genossen die Sonne. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Spielen (inklusive 150er-Tischweise beim Molotov und eine 9er-Strassenbombe im Tichu) oder mit einer der vielen Mehrseillängen direkt bei der Hütte.

Am zweiten Tag stiegen wir Richtung Ostgipfel des Alplistock auf, wo eine wunderschöne Gratkletterei auf uns wartete. Wir hielten Ausschau nach Gämsen und Munggen, kraxelten weiter dem Gipfel zu und genossen die Aussicht. Im Abstieg war genug Zeit für eine längere Mittagspause und ein kurzer Sprung in den eiskalten Bergsee rundete den Tag perfekt ab.Am dritten und längsten Tag wechselten wir von der Bächlitalhütte zur Gaulihütte. Frühmorgens machten wir uns auf in Richtung Bächlitalgletscher, wo uns eine golden strahlende Sonnenaufgangsstimmung erwartete. Der eingeschneite Gletscher verlangte uns einiges ab, aber schon bald erreichten wir die Leitern, die uns bis ganz auf den Pass bringen würden. Von dort aus begann die Gratkletterei auf den Grossen Diamantstock, dem höchsten Punkt unseres Lagers. Um den aufziehenden Gewitterwolken zuvor zu kommen, machten wir uns bald an den Abstieg. Wir wanderten über den Hiendertälligletscher hinunter zum vom Schmelzwasser gespeisten Gaulisee. Wir genossen die wilde Landschaft und die Aussicht auf dem letzten Aufstieg zur Gaulihütte, und kamen pünktlich zum verdienten Abendessen in der Hütte an.

Da wir vom langen Vortag reichlich erschöpft waren, versprach der vierte Tag weniger anstrengendes Programm. Wir wanderten zusammen zum  Gauligletscher um unser Können und Wissen zu erweitern. Für alle ein absolutes Highlight war es, in die Gletscherspalte hinein abzuseilen und mit Steigeisen und Pickel wieder hinaus zu klettern. Ob mit etwas Hilfe in Form von Hochziehen oder als Um-die-Wette-Pickeln, wir hatten enorm Spass an dieser Einführung ins Eisklettern. Es stellte sich heraus, dass feste Sohlen von Bergschuhen ein unschlagbarer Vorteil sind und man Pickel besser am Arm anbindet, statt sie in der Spalte zu versenken. Auf dem Gletscher war vor 75 Jahren ein Flieger abgestürzt, noch heute stinkt dessen Motorenöl und immer wieder trifft man auf verlorene und vom Gletscher fort transportierte Gegenstände aus einer anderen Zeit. Bei tiefen Gesprächen, Pöbeleien, Gelächter, Lunch teilen und Sonne geniessen sahen wir den Wolken zu. Allen war klar, dass der Regen immer näher kam, doch wir kosteten die Stahlen und ihre Wärme so lange wie nur möglich aus. Als uns die ersten Tropfen erreichten, packten wir zusammen ein und rutschten über Schneefelder und nasse Steine bis zur Hütte.

Am fünften und letzten Tag brauchte es einiges an Überwindung, in die nassen Wanderschuhe zu steigen, doch die tolle Granitkletterei am Tälligrat war es allemal wert. Auf dem Weg liessen sich wunderschöne Steine finden, wenn man sich auf den Boden konzentrierte, wer den Blick schweifen liess, fand eine beeindruckende Aussicht in alle Richtungen. Das gemeinsame Gipfelerlebnis war ein perfekter Abschluss für eine super Tourenwoche. So sehr wir uns beim Abstieg nach Innertkirchen aufs Schuhe-Ausziehen und das Restaurant freuten, so sehr freuten wir uns auch schon aufs nächste Lager. Vielen Dank ans Leitungsteam, alle Teilnehmenden, die Teams der beiden Hütten, und bis bald!