Anreise und Zustieg
Vollbepackt mit Ski, Pickel, Steigeisen und etwas Take-Away Kaffee treffen wir uns frühmorgens auf dem Perron, begrüssen uns mit einem freundlichen Nicken und fahren gemeinsam ins Wallis. In Brig stossen auch diejenigen dazu, welche bereits eine Nacht im Westen verbracht hatten und beinahe komplett fahren wir weiter nach Blatten zur Belalp-Bahn. Nach kurzer Vorstellungsrunde in der Walliser Sonnenstube geht es gemütlich flach los. Anstatt den erhofften Sonnenstrahlen müssen wir jedoch die aufziehenden Regenwolken fürchten, welche sich im Rhonetal aufzutürmen beginnen. Glücklicherweise kommen wir gerade nochmal glimpflich davon. Am Ende dieses Einwärm-Abschnitts erwartet uns die wohl abenteuerlichste Stelle des Zustiegs: Ein doch ziemlich abschüssiges Couloir, in welches uns Jonas rückwärts und mit den Ski an den Füssen abseilt. Nach diesem Intermezzo geht es wieder steiler bergan, auf der dünnen Schneedecke Felsen, Lawinenkegel und Moränen so gut als möglich umkurvend dem Oberaletschgletscher entgegen. Auf diesem angekommen ziehen wir wieder gemütlicher weiter Richtung Hütte, wobei wir die Witterungssorgen endgültig im Tal liegen lassen können. Bald kommen aber andere Gedanken auf, denn je näher die Hütte auf ihrem Felsthron rückt, desto lauter wird auch die innere Stimme: «Wie zur Hölle soll man den diese glatt geschliffenen Felsplatten hochkommen?! Habe ich die Kletterfinken auf der Packliste übersehen?» Erst nach dem letzten Bogen um die Felsnase herum erblicken wir die Tritte, Stangen und Sicherungsseile, welche sich von der Hütte bis zum immer weiter schwindenden Gletscher hinunter winden. So lassen wir die Ski also unten im Depot und machen uns im Klettersteig-Stil an diese Himmelsleitern, zu welchen wir mit jedem Tag eine stärkere Hassliebe entwickeln werden. Hier treffen auch die Nachzügler:innen dazu, welche die SBB-bedingte Verspätung durch einen Verzicht auf Pausen wettmachen konnten. So treffen wir mehr oder weniger geschlossen auf der schönen Oberaletschhütte ein, wo uns Irene und Christian herzlich empfangen. Wir legen unsere Felle und Kleider auf der Terrasse zum Trocknen aus und freuen uns auf den wohlverdienten Znacht und das eine oder andere Erfrischungsgetränk. Nach dem Znacht planen wir die morgige Tour, spielen Tichu, behandeln die ersten Blasen und gehen im Hinblick auf das frühe Morgenessen entsprechend bald ins Bett.
Ja da die Moräne abe chönder d’Fell dra lah, das gaht scho
– Alli Leitende unisono
Tag 1 – Satellicka
Wie so oft auf Hütten gestaltet sich die Nacht je nach Vorhandensein von guten Ohropax mehr oder weniger erholsam, am nächsten Morgen sitzen jedoch alle am Frühstückstisch und nippen gähnend am Kaffee. Dieser zeigt Wirkung und so stehen kurz daraufhin die meisten draussen in der Dämmerung und fragen sich, wie sie den Klettersteig mit Steigeisen an den Füssen wohl meistern werden. Schweren Herzens verabschieden wir uns von den zwei, welche aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben und sind insgeheim etwas neidisch auf die idyllische Bettruhe, welche sie nun geniessen dürfen. Wir ziehen also los, meistern die Eisentritte und Leitern mit Bravour und touren dem kalten Gletscherwind entgegen bis uns genau vor der ersten Steilstufe die Sonne begrüsst. Hier zeigt uns Jonas, wie man sich mit Steigeisen auch in steilerem Gelände effizient und sicher bewegt. Wieder auf den Fellen spüren wir, dass sich die letzte Rampe auf 3000m über Meer und in der prallen Sonne alles andere als gratis erklimmen lässt. Langsam, aber stetig keuchen wir der Sattellicka entgegen, welche wir kurz vor Mittag erreichen. Die Off-Pisten-Rowdys unter uns haben den Sulz nun gerochen und so geht es bereits nach einer kurzen Snackpause und den letzten Schlucken Tee (den nehme ich morgen sicher nicht mehr kochend heiss mit) bereits hangabwärts. Mit brennenden Oberschenkeln, wedelnden Schwüngen und der einen oder anderen akrobatischen (wenn auch ungewollten) Skiballett-Einlage nähern wir uns rasch dem Talboden. Dieser ist bereits so aufgeweicht, dass sich die nächste halbe Stunde mehr nach einer surfen als Skifahren anfühlt. Beim Depot angekommen hangeln wir uns gruppenweise den nun bekannten Seilen wieder empor und werden von den Daheimgebliebenen fröhlich empfangen. Die einen verschwinden für einen kurzen Nap im leeren Schlafsaal, während sich die anderen der Speise- und Getränkekarte zuwenden.
«Ich han mega guet gschlafe»
– niemerd
Tag 2 – Kleines Aletschhorn 3745m
Von nun an ist das Programm eingespielt: Znacht, Christians Hilferufe in Gummihandschuhen, Tourenplanung, Abend ausklingen, Schlafen, Jonas’ Wecker grummelnd zur Kenntnis nehmen, Frühstücken, Steigeisen montieren, Höhenangst ignorieren, anfellen, den kalten Morgenwind verfluchen und der Sonne entgegen-ziehen.
Am zweiten Tag haben wir den Höhepunkt der Woche auf dem Programm: Das kleine Aletschhorn, 3745m.ü.M. Entsprechend ist heute alles noch etwas früher und die Pausen noch etwas speditiver (aka kürzer). Die Teilnehmenden sind jedoch alle richtig fit und so erreichen wir um 11 Uhr alle zusammen den wohl höchsten Wintergipfel der Mountainscoutsgeschichte. Nach La Ola für die letzten heroischen Gipfelstürmerinnen, Mittagspause, Panoramasession mit Jonas und Territorium-Markierungen zur allgemeinen Belustigung freuen wir uns auf die rassige Abfahrt. Diese wartet nebst offenen Sulzhängen auch noch mit einer felsigen Stufe auf, welche wir erneut durch ein steiles Couloir überwinden, diesmal jedoch ohne Seil. Nun geht’s in bekannter Manier zurück zum Depot und von da zu Rösti, Chässchnitte und Marketingdiskussionen. Zudem erwartet uns Irene mit Hundeblick und zeigt auf die 6 grossen Helikörbe voll Holz, welches rechtzeitig an den «Schärmen» gebracht werden musst. Janu, bei den nächtlichen Holzfällern unter uns sollte dies kein Problem darstellen.
«Hilfe – Hilfe»
– Christian, der Hüttengehilfe
Tag 3 – P.3386
Am dritten Tag nehmen wir es etwas gemütlicher und erkunden vom P.3386 unterhalb des Schinhorns die verschiedenen Varianten für den Abschlusstag. Beim Aufstieg üben wir noch ein wenig Spitzkehren im steilen Gelände und bei der Abfahrt wird der Drang nach einer Dusche so gross, dass sich fast alle in den eiskalten Gletschersee wagen. Ob sich dies im Hinblick auf den schweisstreibenden Hüttenzustieg lohnt sei dahingestellt, cool ists auf jeden Fall!







dav
«7 vo 8 mal gschafft!»
– alli, nachem Klettersteig zur Hütte
Tag 4 – Abstieg & Heimreise
Am letzten Tag entscheiden wir uns über den Beichpass direkt ins Lötschental abzufahren. Nochmals erwartet uns hinter dem Pass eine Rinne, steiler und länger als sich viele vorgestellt hatten. Aber unterdessen schreckt uns so etwas nicht mehr ab. Schwups ein Fixseil gespannt, Prusik dran, Ski buckeln und rein in den Schlund, bis es auf der nächsten Schulter etwas flacher wird. Von hier geht’s auf den Brettern auf ungewohnt harter Unterlage der Fafleralp entgegen. Man munkelt, die mehrfachen Überschläge kurz vor Schluss seien eher als anarchistische Statements gegenüber den Leitenden als als Fahrfehler zu werten, fiel doch das Zitat des Tages keine 5 Minuten vorher. In der Fafleralp skaten wir über eindrückliche Lawinenkegel weiter bis nach Blatten (aber halt nicht das Blatten, in dem wir gestartet sind), wo seit einer Woche ja auf der Sonnenterrasse wieder Getränke und sogar Fondue angeboten werden dürfen. Ein super Abschluss einer super Kurz-Woche und einer super Wintersaison! A-T-G!
«Bliibed au uf dene letzte Meter na konzentriert, mer sind nanig ganz dunne»
– Jonas & Team
Wir sehen uns im Sommer wieder!


























