Partybericht Simplon, 2014

Eigentlich gab es überhaupt keinen Grund eine Woche lang Skitouren zu gehen. Die Lawinensituation war kritisch und bei dem Wetter würde man sowieso lieber zuhause bleiben. Aber zum Glück hatten wir die gemütliche, ehemalige Kaserne am Simplon gemietet. Denn sonst wäre uns so einiges entgangen, unter anderem die Besteigung von 5 Partystöcken1, der Küchenlimbo-Contest sowie der Besuch beim Maitlihuus (Maschihüs).

Natürlich lehrt einem das schlechte Wetter auch noch anderes als bei Schnee und Nebel bei Laune zu bleiben, was uns trotz der ungünstigen Situation stets bestens gelang. Wir konnten das erste Mal einen Kompass wirklich gebrauchen, indem wir nach Azimut wanderten, beziehungsweise im Pinguschritt2 vorwärts watschelten. So erreichten wir den Glattboden3, nachdem wir schliesslich wieder einmal ein paar Fehler in der Karte korrigiert hatten; Kompassübungen decken hier halt immer wieder Nachlässigkeiten der Swisstopo4 auf. Das Alpenpanorama auf dem Glattboden war grossartig: Der Kontrast zwischen Mountainscoutlern und dem Schneesturm könnte kaum grösser sein. Nur nach der Abfahrt war die Frustration gross. Die erste Beiz hatte Betriebsferien. Die andere auch. Und die dritte war schon länger nicht mehr offen.

So kam es, dass wir im Hospiz5 einkehrten. Die Bardame war mittelmässig freundlich: Wir seien zu spät, denn es kämen noch andere Gäste und wir sollten in Zukunft doch die Schuhe vor dem Haus ausziehen. Schön und gut, ein Bier zwischen frommen Bildern (an denen es auch in unser Unterkunft nicht mangelte - Kruzifix und Jungfrauen Mariä waren mit uns) können wir auch anders organisieren. Wir beschlossen kurzerhand, die Beiz bei uns in der Militärunterkunft zu eröffnen und fortan bewirtete uns das Barteam Azmoos. Und wir sahen, es war gut.

Der zweite Tag versprach, besser zu werden. Wir starteten beim Maschihüs – auch bekannt als Maitlihuus – und endeten in Simplon Dorf in der Beiz, wo wir die Zeit vertreiben „mussten“, bis das Poschi6 fuhr. Von der Pulverabfahrt durch den Wald schwärmten wir noch die ganze Woche, denn die Situation wurde nur noch prekärer. Der Gang zwischen Küche und Bett füllte sich laufend mit neuem und vertriebenem Schnee, die Schneekristalle spitzten sich zu und der Wind blies uns die Kappe vom Kopf. So konnten wir auf dem Weg zu einem der Partystöcke richtig schön instabile Schneeprofile betrachten. Dank unserer kompetenten Leitung unterstützt von Rolf, hatten wir es auch an diesem Tag glatt. Und nicht nur, weil wir Schneemänner, Schneefrauen und Schneekinder bauten: Nein, wir erreichten die Glattalp7. Zwar liefen einige im Bimsbereich8, denn die Anstrengung, im tiefen Neuschnee Spuren zu ziehen und für Schneeschuhe zu verbreitern, war alles andere als Party.

Nach so einem Tag war das Fondue am Abend natürlich mehr als verdient. Wir tunkten Brot, Broccoli, Blumenkohl, Kartoffeln, Birnen, Äpfel und sogar Peperoni in der käsigen Masse. Ab und zu wurden wir von einem Mann mit Küchentuch-Turban um den Kopf belästigt, der uns seinen Knoblauch für nur zwei Franken verkaufen wollte. Man munkelte, er sei nicht mehr richtig bei Sinnen, seitdem er im Fondue seinen Mocken verloren hatte. Wie es sich gehört, folgte auf das Fondue der Jass. Es war nicht der einzige im Lager, aber der wichtigste. Ohne je in den Bimsbereich zu kommen, schlängelte sich die Partycrew auf die vordersten Ränge. Für den ersten Platz gab es am nächsten Tag eine Bratwurst mit Pommes im Skigebiet. Skigebiet?! Jawohl, denn man muss ja glücklicherweise weder die Piste runter, noch den Lift hoch um die Beiz zu geniessen. Aber man durfte natürlich mit dem Lift hoch und den Powder wieder runter, was die meisten taten und nicht bereuten. ATG!9

Was am letzten Tag folgte, war paradiesisch, startete aber turbulent. Frühmorgens bekamen wir die Nachricht, dass ganz in unserer Nähe eine Lawine niedergegangen war. Mehrere seien verschüttet. Wir wandelten die Partystöcke zu Retterstöcken um, organisierten uns – die einen mehr als die anderen – und schaufelten wie die Schneebiber. In Rekordzeit hatten wir die sechs stark unterkühlten Rucksäcke10 wieder ausgegraben. Als Dank lichtetete sich der Himmel und Madame Sonja brutzelte uns auf den Näggel. Im prallen Sonnenschein bestiegen wir wieder einmal oder mehrmals, einen Partystock und powderten die Hänge runter. Zum Abschluss mehr als ATG!

So neigte sich unsere Woche auch schon dem Ende zu und die Stimmung wurde nur deshalb schlechter, weil man wusste, dass nach der Party der Kater kommt. Zum Abschluss unternahmen wir noch eine kleine Nachtskitour zur Sternwarte Simplon. Einer Polarexpedition gleich peitschte uns der Wind ins Gesicht und blies uns mit seinen 60 km/h fast wieder nach Brig ins Tal. Doch wir erreichten die Sternwarte, bei der uns ein freundlicher Mann seine Teleskope präsentierte und eine ausgiebige Powerpointpräsentation über das Universum vorführte. Durch ein Teleskop konnten wir einen kurzen Blick auf den Jupiter und den Mond erhaschen, bevor uns der Wind wieder zurück in die Unterkunft wehte.

Was uns zuhause erwartete war nicht weniger stürmisch. Ein reissendes Fest: Kühe wurden gemolken während die heilige Maria die Discokugel drehte. Und man munkelte, zur späten Stunden wurde noch polloliert11 und Meiosen und (!) Mitose12 waren in vollem Gange. Wir bestiegen also nicht viele bekannte Gipfel, dafür immer in Partylaune. Die Sonne schien hauptsächlich aus unseren Herzen. Dafür, dass es wohl die denkbar schlechteste Woche fürs Skitouren war, haben wir wohl die denkbar beste Woche daraus gemacht. Partystooock!

Herzlichen Dank dem Leiterteam!

1Entweder hochalpiner Hubbel oder hochalpiner Ausruf, begleitet von erhobenen Stöcken

2Stell dir Charles Chaplin mit Skiern vor!

3Plätzchen, an welchem man es hauptsächlich glatt hat.

4Diese Partycrew erstellt die Schweizer Landeskarten

5Von Chorherren geführte, kirchliche Herberge

6Schweizerdeutsch für Postauto

7Alphäuser, welche hauptsächlich von Glatten und Partyfreudigen bevölkert werden.

8Benannt nach Bims, dem Ersten, der sich beim Spuren überanstrengt hatte

9Ein Mountainscoutler klärt dich gerne auf, was es heisst

10Da es sich zum Glück nur um eine Übung handelte

11Spanisch: Käfern

12Die Biologin deines Vertrauens hilft dir hier weiter

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